Die

Es ging und geht mir auf die Nerven. Die. Ominös, unbestimmt, in den Nebel zeigend. Die sind schuld. Die machen doch sowieso, was sie wollen. „Die“ kann man prima nutzen, für Schuldzuweisungen aller Art. Vor allem aber, um von sich selbst abzulenken.

 

Die machen doch sowieso, was sie wollen!

Wenn die es nicht schaffen, dann nehmen wir es jetzt selbst in die Hand!

Die kriegen es doch vorne und hinten reingestopft, jetzt bezahlen die denen auch noch den Führerschein! Für alle!

„Die“ sind immer schuld. Denn die sind nicht wir. Egal ob Flüchtlinge, die sich gegen die aufgezwungen Leistungen und Geschenke (inklusive Führerschein) gar nicht wehren können, die Polizei und die Justiz, die tatsächlich auf die Rechtstaatlichkeit achten und deshalb dem lynchenden Pöbel zu langsam sind, und, ja vor allem, die Politiker, dieses machtgeile und korrupte Pack, dass uns doch nur verachtet, was wir aber mit unserem angeknacksten Selbstbewusstsein, unserer Angst doch längst gemerkt haben, die wollen uns doch nur für dumm verkaufen, uns verarschen und sich die Taschen vollmachen. Auch der große Teil der Kommunalpolitiker, die ihre freie Zeit opfern und ehrenamtlich arbeiten, reich belohnt mit einer mickrigen Aufwandsentschädigung, nein, die sind es, die uns verraten und verarschen, und das weiß das Volk, das verratene und verarschte, ganz genau, war ja schon immer so!

Aber nicht nur das verarschte Volk weiß das, auch die so ungeheuer intellektuellen und linksversifften Kabarettisten sind da einer Meinung, wenn sie sich auf die Bühne stellen und „die“ anprangern, ungleich wortreicher und gelegentlich auch geschliffener als der Pöbel. Zack!, und schon ist der gesamte Kabarettabend gelaufen, draufdreschen, bloßstellen, ’nen dicken Hals kriegen und den auch zeigen. „Die“, das sind diese unverschämten und dämlichen Volksvertreter, die gar nicht merken, wie dämlich und peinlich sie sind, die sich ja nur die Taschen … ach, das hatten wir ja schon.

Das Publikum johlt über den genialen Kabarettisten, der „die“ am medialen Pranger bloßstellt, sie am Nasenring durchs Fernsehen zieht, laut klatschend wird die Bestätigung der eigenen Meinung oder des dumpfen Empfindens gefeiert, was für ein toller Abend, spitze, der Mann, und wie er die wieder bloßgestellt hat, ganz große klasse!

Und manchmal, selten, wenn die Kamera einen Schwenk durch den Saal macht, sieht man einen von denen im Publikum sitzen, mittendrin, tapfer lächelnd und applaudierend, aus „die“ wird er, und der hat ja Humor, der Mann, der kann ja über sich und seine Kollegen lachen, also so übel ist der doch …

Aber die da oben, die sind anders, das wissen wir doch, war doch schon immer so!

Und das nächste Exposé ist unterwegs …

Erst einmal nur an einen Verlag, je nach Resonanz, werde ich es noch an andere versenden. In dem Manuskript geht es um einen Schriftsteller, der im Urlaub eine neue Liebe findet – und leider auch einige Leichen. Es spielt im schönen holländischen Ort Zoutelande, der Arbeitstitel ist „Salziges Land“. Drückt mir die Daumen!